livingpuma

Einsam am Strand gestanden

Der Mann, der tagelang einsam am Strand stand. Genau dieser Mann kam zu mir, als ich am Strand entlang schlenderte. Natürlich kannte ich ihn. Vom hören sagen und so. Er interessierte mich auf eine Art. Irgendwie verstand ich ihn. Niemand verstand ihn aber, denn wozu stand dieser Mann tagelang am Strand. Er könnte sich doch zumindest mal hinsetzen. Ein Rätsel. Auch die örtliche Polizei kam mehrmals und befragte ihn anfangs auch. Doch seine Antwort war immer die selbe. "Ich stehe hier am Strand und sehe in das Meer hinaus, manchmal." Die Polizisten gingen noch ratloser von dannen, als sie gekommen waren. Sie wurden ja jeweils gerufen von besorgten Einwohnern, die Angst hatten vor diesem Mann, der einfach nur tagelang am Strand stand.

Dieser Mann sprach sonst nicht mit anderen Menschen, jedenfalls nicht gross. Er gab ein Antwort, wenn man ihn was fragte. Ich habe noch nie irgendwelche Worte mit ihm gewechselt, deshalb war ich umso erstaunter als er auf mich zu kam. Ich hatte keine Angst oder so. Und irgendwie spürte ich, dass es ok ist. Er bat mich, schlicht und einfach bei ihm zu stehen. Sonst müsse ich nichts tun, hat er gemeint. "Sei einfach still und steh neben mir mein Junge." Ich tat, was er mir geheissen, ich konnte nicht anders - und wollte auch nichts anders. Es war mir sogar noch gelegen, dass ich nichts mehr tun musste, wenn man dem müssen sagen kann, als einfach dort stehen.

Ich weiss nicht mehr so genau, wiel lange ich dort stand. Es war aber bestimmt einen Sonnuntergang lang. Dann sagte er, jetzt kannst du gehen, mein Junge. Dass ich dich liebe, muss ich dir ja nicht sagen, das weisst du ja bereits. Ich fragte ihn, ob ich noch länger bei ihm stehen dürfe, denn zum allerersten Mal in meinem Leben spürte ich so was unbeschreiblich schönes in meinem Körper. Es war als hätten alle Körperzellen die Erlaubnis gekriegt, sich gegenseitig zu umarmen. Es war eine festliche Stimmung in mir. Viele, viele Farben durchzuckten und durchströmten meinen Körper, mein Körper war plötzlich transparent geworden, und ich sah alles vor meinen inneren Augen. Und was auch noch besonders war, der Atem ging bewusst von ganz alleine. Ich musste nichts tun, dieses Gefühl blieb in mir fest verankert.

Der Mann legte seinen Arm um meine Schultern und wir standen gemeinsam so in Richtung Meer. Er sagte, ich könne noch etwas länger mit ihm da stehen, falls ich wollte. Ich schluchzte ein Ja, denn ich musste nur noch heulen, îch sag Euch, ich heulte meinen ganzen verdammten Schmerz raus, meine Sehnsucht nach echter Liebe und nach diesem Vertrauen, das dieser fremde Mann mir schenkte. Ich weinte die ganze Nacht durch an seiner Seite. Er stand einfach neben mir, mit seinem Arm um meine Schultern. Und dann als ich am anderen Morgen, das erste Sonnenlicht vom Horizont hersah, sagte er mir, dass es jetzt Zeit für mich sei.

Und so liess ich alle meine Tränen bei ihm zurück. All meinen verdammten Schmerz. Und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass meine Sehnsucht für immer gestillt wurde. Ich sah die Welt neu. Es ging nicht lange, da lernte ich jemanden kennen und lieben. Ihr Name hat mit dem Mann vom Strand zu tun. Wir haben uns beide auf Anhieb sympathisch gefunden. Es ging nicht lange, da wurde sie von mir schwanger. Es war unser gemeinsamer Plan. Wie sie mir später mal erzählte, war sie auch beim Mann vom Strand gewesen. Er hatte sie angesprochen, so wie mich. Ich werde ihn nie mehr vergessen. Die besorgten Anwohner vom besagten Strand sind mittlerweil e sehr erleichtert. Auch die Polizei, denn eines Tages war der Mann nicht mehr am Strand gestanden und niemals mehr dort gesehen worden.

Meine Liebe und ich wissen aber wo er zu finden ist.
Danke dem Mann vom Strand.
Danke meine Liebe.
Ich freu mich auf dich, Kind meiner Liebe.

The End
***

16.4.06 18:15

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